St Petersburger Impressionen – Die Paläste

Es ist einfach unglaublich wie Ihr mit Euren toll geschriebenen Berichten und mit den extrem schönen Fotos einen tollen Eindruck vom “herübergebrachten” vermitteln könnt. Die Deutsche Zeitung in Moskau werde ich auch verfolgen,falls sie ein Interview mit Euch macht. Stolz bin ich natürlich auch. Paßt bloß bei allen Genußmitteln ob flüssig oder rauchförmig auf. Da liest man ja schreckliches über Russland.

Man sagt, Moskau sei der Kopf Russlands, St. Petersburg das Herz und Nizhny Novgorod die Geldbörse des Landes. Zumindest war die Stadt an der Stelle, an der die Oka in die Wolga mündet, einst das bedeutendste Handelszentrum Russlands.

Der Wohlstand, der sich hier im Laufe der Jahrhunderte ansammelte, ist auch heute noch allgegenwärtig. Nizhny Novgorod, die „dritte Hauptstadt”, ist ein wunderschöner Ort, auch wenn uns ein ungetrübter Blick auf den gesamten Glanz durch Regen- und Nebelschleier verwehrt blieb. Was eine echte Romanze hätte werden können, verkam zu einem One-Night-Stand. Denn: Nizhny Novgorod ist so einladend und so ungastlich zugleich.

Ungastlich? Richtig. Denn in der gesamten Stadt gibt es neben Jagdbekleidung damen günstig nicht ein einziges Hostel oder erschwingliches Hotel, das uns erlaubt hätte, ein unseren monetären Vorstellungen entsprechendes Quartier zu beziehen. Zwar gingen wir mehreren Empfehlungen nach, doch entweder hieß es „Tut uns leid, keine Betten für Touristen, nur für Russen” oder schlicht „sorry, nix frei.” Richtig günstig wäre es ohnehin nicht geworden. So kam es, dass wir nach dem letzten Strohhalm griffen und uns – obwohl dem Studentenalter längst entwachsen – in den Räumlichkeiten der linguistischen Fakultät der hiesigen Uni einquartierten.

Uni – klingt gut. Ein Bett im Schlafsaal? Fehlanzeige, ausgebucht. Was gibt’s hier sonst noch? Special VIP-Apartments! Oha, klingt auch nicht schlecht. Doch mehr aus Mangel an Alternativen wurden die VIP-Quartiere im Handumdrehen gebucht und nichts wie hin da. Das Auffinden der Fakultät und des angegliederten – ja, was war es eigentlich? Studentenwohnheim? Hostel? Apartmenthaus?

Wir haben es nicht wirklich in Erfahrung bringen können. Wohl etwas von allem, da wir offensichtlich nicht die einzigen Nicht-Studenten im Hause waren. Eine Andeutung der Rezeptionistin, manche Gäste würden auch nur einige Stunden bleiben, legte eine weitere Vermutung nah. Wir haben aber auch das nicht verifizieren können. Oder wollen.

Schön, aber ein Hostel wäre uns lieber gewesen… Jedenfalls gestaltete sich das Auffinden unserer Herberge etwas schwierig, da wir – von Gebäude zu Gebäude geschickt – wohl den halben Campus absuchten. Endlich angekommen, erwartete uns in der Tat ein VIP-Apartment. Zumindest für studentische Verhältnisse.