Ein kurzer Flirt

Dieser innenarchitektonische Alptraum aus Eiche rustikal geschnitzt, bot uns immerhin zwei Räume – ein Schlaf- und ein Wohnzimmer samt Fernseher (siehe dazu den Exkurs) und Schlafsofa, eigenes Bad und eine schöne Aussicht aus dem neunten Stock eines ansonsten ziemlich gesichtslosen Wohnblocks. Nach ungezählten Nächten in überfüllten Dorms entschieden wir uns für getrennte Schlafzimmer.

Welch ungewohnter aber willkommener Luxus! Allerdings ließ sich die Fakultät diesen Luxus vergolden: Bei der Vorkasse wurde der zuvor aufgerufene Preis doch um einige hundert Rubel überboten, so dass wir letztlich in der Kategorie eines ordentlichen Mittelklassehotels lagen. Sei’s drum. So kommt das Geld wenigstens der Uni zu Gute und wird nicht von nichtsnutzigen, publicity-geilen Hotelerben verprasst…

Blick in die Bolschaje Pokrowskajs Fußgängerzone am Samstagabend. Aufgrund der aufgerufenen Preise und in Ermangelung anderer Optionen, beschlossen wir, unseren Aufenthalt in Nizhny Novgorod auf lediglich zwei Tage zu beschränken. Schweren Herzens wohlgemerkt, denn was wir in der knapp bemessenen Zeit von der Stadt sahen, hat uns von den Socken gehauen: Ein einladendes Altstadtquartier mit einer prächtigen Fußgängerzone, die von wunderschönen Jugendstilfassaden eingefasst ist.

Hier und da durchbrochen nur von einer ebenso schönen Kirche oder einem palastähnlichen Gebäude – wohl was Offizielles. Hier liegt das Herz der Stadt. Zumindest kam uns der Eindruck beim Schlendern entlang der Meile am frühen Samstagabend, als sich dort die örtliche Jugend mit ihrer campomaggi umhängetasche
traf, um das Wochenendprogramm einzuläuten. Und hier war an diesem Abend einiges los.

Da bei uns aber die Reisestrapazen langsam ihren Tribut einfordern, entschlossen wir uns lediglich für einen gemütlichen Drink in einer äußerst ansprechenden Bar. Endlich Rock’n’Roll! Zugegeben, wir fühlten uns wohl und es blieb nicht bei dem einen Drink. Trotzdem schonten wir die Kräfte, da wir die Stadt am kommenden Tag noch ein wenig erkunden wollten.

Und auch die sonntägliche Stadtbegehung bestätigte uns in unserer ersten Einschätzung: Hier lässt es sich aushalten! Obwohl es im Sommer wahrscheinlich noch etwas schöner ist. Denn wir erwischten klassisches russisches Schmuddelwetter: Kälte, Wind und ununterbrochener Nieselregen. Das zermürbt irgendwann selbst den euphorischsten Touristen. So konnten wir leider auch nur erahnen, welches Panorama sich vom Kreml und der umliegenden Promenade aus, auf den Zusammenfluss von Oka und Wolga sonst bietet.