Das Dramatheater von Nizhny Novgorod

Uns war die Sicht durch Regen- und Nebelschleier getrübt. Und doch war es ein erhabenes Gefühl, an exponierter Stelle über den beiden gewaltigen Strömen zu stehen und den Blick schweifen zu lassen. Spätestens hier bereuten wir, nicht einen Monat früher losgekommen zu sein und das Ganze in ordentliches Sonnenlicht getaucht erleben zu dürfen. Einfach nur Schade. Was eine schöne Romanze hätte werde können, blieb lediglich ein kurzer Flirt.

Was bleibt von Nizhny Novgorod? Ein vernebelter Eindruck, eine vage Vorstellung von dem was uns da entging und die Gewissheit, dass die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort den weiteren Verlauf dieser Reise bestimmen, dem wir uns unterordnen. Und dieser weitere Verlauf sieht nun die nächste nächtliche Zugfahrt nach Kasan vor. Dort, in der tatarischen Hauptstadt, nähern wir uns dann dem Rande Europas. Den Ural und Asien fest im Blick…

Das Goldene Tor von Vladimir. „Warum sind wir noch gleich nach Vladimir gefahren?”, fragte ich Peer, als wir einen ersten Spaziergang in Richtung Innenstadt machten. Er sah mich verwundert an. „Du meintest doch, dass wir hierher sollen.” „Ich?” Auweh, was hatte ich da wieder angestellt. Doch dann rettete mich Peer selber aus dieser Misere.

„Wir wollten nur hierher, um von hier als Ausgangsstation nach Suzdal mit den taschen brics Sintesis zu kommen” Glück gehabt, denn ich wollte nicht verantwortlich dafür gemacht werden, zwei Tage lang in Vladimir gestrandet zu sein. Was gibt es in Vladimir zu sehen? Nicht viel. Was gibt es über Vladimir zu sagen? Nicht viel. Von hier aus ist man in einer Stunde in Suzdal. Das ist doch schon mal was.

Das Städtchen Vladimir, auf halber Strecke zwischen Moskau und Nizhny Novgorod.Vladimir hat knapp über 300.000 Einwohner, und die Betonung liegt auf dem ersten i. Es gibt eine Haupteinkaufsstraße mit ein paar Geschäften, die auf der einen Seite vom goldene Tor begrenzt wird und von der andere Seite von der Uspenski Kathedrale. Vom goldenen Tor ist nur die Spitze golden, es beherbergt das Militärmuseum, und man kann zwar hindurch gehen aber nur drum herum fahren.

Von der Uspenski Kathedrale aus hat man einen recht guten Blick über das Tal und das Flüsschen Kljasdal. Im Restaurant Traktir kann man Schaschlik essen, nach dessen Genuss einem noch eine Stunde lang die Zunge von den Zwiebeln brennt und welches man nur mit einem Bier herunterspülen kann, denn ein zweites bekommt man nicht. Warum auch immer.

Die Uspenski Kathedrale in Vladimir. Vladimir ist nicht richtig schön und nicht richtig hässlich. Es ist nicht richtig groß und nicht richtig klein. Es liegt in der Mitte vom Nirgendwo und hat Glück, dass die Bahnstrecke hin und wieder Besucher her bringt. In gewisser Weise erinnert es mich an Kassel.