Zwischen Ruinen und Kirchen in Suzdal

Nur Wald, ein wenig Landwirtschaft und Kirchen, Kirchen, Kirchen. Wieso diese unbeschreibliche Dichte an Sakralbauten? Die Landwirte, die ich von daheim kenne, haben überhaupt nicht die Zeit so oft in die Kirche zu rennen, dass sich diese Masse lohnen würde. Treffen hier ein halbes Dutzend Ley-Linien aufeinander?

Gibt es hier Magnetfelder, unterirdische Wasseradern, Manaströmungen oder einfach nur nicht viel mehr zu tun als zu beten, dass sich bald mal etwas tut? Das würde die wartende Haltung der Einwohner erklären. Kurz habe ich darüber nachgedacht, ob die Menschen hier ihre Kirchen jeweils nur für ein Jahr nutzen, um dann eine neue zu bauen, verwarf diese Idee jedoch wieder. Dafür waren sie zu klein und zu viele eindeutig in Betrieb.

Wir mussten wieder abreisen, bevor wie das Rätsel um Suzdal lösen konnten. Wir wanderten durch dieses Suzdal, drehten eine Runde, sahen uns alles an, was es zu sehen gab, aßen eine Kleinigkeit, tranken einen heißen Honig-Nelken-Trunk (sehr zu empfehlen!) und fuhren wieder nach Vladimir.

Vier Stunden inklusive Aufwärmen in der Gaststube. Und doch, der Besuch hat sich gelohnt. Ich glaube nicht, dass wir dem ursprünglichen Russland auf unserer Reise mit den Luis Steindl haferlschuh noch einmal so nahe kommen wie in Suzdal. Alles was fehlte, waren Wolf und Bär, die über die Straße liefen. Oder das Rotkäppchen, denn die märchenhafte Stimmung war absolut vorhanden.

Die Busse befahren auch das kleinste Dorf.Wir fuhren zurück nach Vladimir, in einem der typischen Kleinbusse, die knapp 20 Leuten Platz bieten und oft mehr von gutem Willen und Hoffnung als von Stahl zusammen gehalten werden. Im Hostel angekommen hüllten wir uns in unsere Decken, tranken heißen Tee und aßen zu Abend.

Am Morgen hatte uns die Hostelmutter gefragt, wie uns Vladimir gefallen würde. Mehr aus Höflichkeit habe ich geantwortet, es sei eine ganz nette Stadt. Sie zog nur ungläubig eine Augenbraue hoch und sagte nichts weiter dazu. Nun fragte sie uns, was wir den Tag über gemacht hätten und wir berichteten ihr, dass wir in Suzdal gewesen wären. „Oh Suzdal! Eine süße Stadt, nicht wahr?” Wir nickten beide eifrig und unterhielten uns mit ihr einige Zeit lang über Suzdal. Ihr letzter Satz fasste es zusammen. „Es reicht ein Tagestrip, aber es ist definitiv die Reise wert!”

Ich kann gar nich jedesmal ausdrücken wie schön es ist von der Couch aus, und dem gemütlichen heimischen Bett mit endlos Wolldecken, mit Euch um die Welt zu reisen. Danke fürs nach Suzdal fahren. Ich war gerne dort. Und fasse schon mal den Lebensabend in so ‘nem urigen Hüttsche ins Auge.